Schabbat-Lesung und Kommentar: „"Mezora –- Den Aussätzigen"“

Freitag, 8. April 2011 |  Michael Schneider

3. Mose 14,1 bis 15,33; 2. Könige 7,3-20

Kommentar:
Unsere Parascha, der Bibeltext für diese Woche ab Kapitel 14, spricht von der „Thora (Weisung, nicht Gesetz!!) des Aussätzigen am Tag seiner Reinigung bzw. Heilung“. Das Wort „Tahara“, dass hier benutzt wird, weist auf körperliche aber auch geistliche Heilung hin, die nur durch die Gnade Gottes vervollständigt werden kann, wie wir später in dem Prophetenabschnitt aus 2. Könige 5 lesen.
Rabbi Israel Salanter, ein berühmter Gelehrter auf dem Feld der Ethik aus dem 19. Jahrhundert (Gründer der Musar-Bewegung), sagte: „Wer zwar peinlich darauf achtet, auch nicht das kleinste Insekt zu essen (vorige Parascha), jedoch andere komplett mit seiner bösartigen Zunge verschluckt (hebr. laschon hara), indem er böses Gerede erzählt, kann zur Strafe Aussatz bekommen...“
Unter der „bösen Zunge“ ist nicht allein Fluchen, sondern auch Heuchelei, Nachreden, boshaftes kritisches Reden, erhobene Stimme und Lästern gemeint. Darum fragte man sich, ob die Plage des Aussatzes lediglich ein medizinisches Problem ist oder auch ein geistliches? Laut jüdischer Tradition ist Aussatz hauptsächlich das Resultat der „bösen Zunge“. Jesus sagt ergänzend im Neuen Bund, dass uns nicht das, was wir in den Mund einführen, verunreinigt, sondern was aus dem Mund herauskommt. (Matth. 15:11)
Wir lesen in der Bibel von drei Handlungen, die die Aussatz-Strafe nach sich zogen:
- Boshaftes Gerede / erhobene Stimme – bei Miriam (4. Mose 12,10)
- Stolzer Geist / Hochmut – bei Naaman (2. Könige 5), dem stolzen assyrischen General, der an Aussatz litt und dem vom Propheten Elischa befohlen wurde, sich siebenmal im Jordan unterzutauchen. Unser Prophetenabschnitt für diesen Schabbat zeigt uns auch, dass die wahrhaftige Heilung des Naaman nicht nur an seinem Körper geschah, sondern ihn durch das siebenfache Beugen und durch das Hören auf seine Diener auch Demut lehrte. So heilt Gott: nicht nur am Leib, sondern komplett - auch am Geist!
- Neid / Begehren / Habgier – bei Gehasi (2. Könige 5,27), dem Knecht Elischas, der nach Lob, Lohn und Ehre seines Meisters gierte und dem reichen General Naaman hinterherlief. Gott strafte ihn und übertrug den Aussatz des Naaman auf Gehasi.
Wir lesen in unserer Parascha, dass der Aussatz die drei Bedeckungen des Menschen, nämlich die Haut, die Kleider und das Haus antastet. Als Schutz für diese drei Bedeckungen, so sagen rabbinische Ausleger, stehen nun die Beschneidung (milah; an der Haut), der Gebetsschal mit Schaufäden (zizzith; am Kleid) und die Mesusah-Kapsel am Türpfosten (an Häusern).
Interessant ist, dass im Neuen Testament die Rede davon ist, dass Jeschua Aussätzige „reinigte“ und nicht „heilte“. Es ging um die Frage der Unreinheit: Ist das Innere gereinigt und versöhnt, so ist auch das Äussere wieder „gesund“.
Genauso ist es aber auch im Gegenteil: Wenn jemand innere Geistlichkeit und eine fröhliche Seele hat, strahlt es auch nach außen – so wie es bei Mose geschah, als er vom Berg Sinai herabstieg! Man kann es an den Augen (und der Hautfarbe) sehen: „...wenn dein Auge gut ist, so wird dein ganzer Leib voll Licht sein...“ (Matth. 6,22b)
Michael Schneider

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