Schabbat-Lesung und Kommentar

Samstag, 5. November 2011 |  Nettanell

„LECH-LECHA – Ziehe hin!“
1. Mose 12,1 bis 17,27. Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 40,27 –41,16

Kommentar:

In unserer Lesung zum Schabbat, der dritten Parascha der Thora, begegnen wir dem ersten der drei Erzväter, Abraham. Noch als Abram wagte er einen drastischen Schritt, den viele von uns Gläubigen nicht gehen. Er setzte alles aufs Spiel, nur um Gott nachzufolgen.

„Ziehe hin... in ein Land, das Ich dir zeigen werde!“ (siehe auch Apg. 7,2-3)

Trotz des Unbekannten war Abram gehorsam (Hebräer 11,8). Wir hingegen sind oft noch nicht einmal dann zur Nachfolge bereit, wenn wir einen genauen Plan – einen Strategieplan – vorgelegt bekommen!

Der Segen folgte direkt darauf, Abram wurde zugesprochen: „Und Ich will dich zu einer großen Nation machen, und Ich will dich segnen, und Ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein!“ Was für ein gewaltiger Segen! Warum sind wir dann so kleingläubig, wenn der HERR uns ruft – Er will uns doch nur reichlich segnen?

Danach folgt ein weiterer wichtiger Segen, der später speziell auf die Nachkommen Jakobs, d.h. Israel, zutrifft (4. Mose 24,9): „Ich (der HERR) werde die segnen, die dich segnen; und wer dir flucht, den werde ich verfluchen...“ (12,3) Behaltet dies in Erinnerung!

Abram zog aus Ur (im heutigen Irak), der Stadt, die Nimrod, ein Widersacher Gottes erbaut hatte, aus. Er und seine Frau Sarai erlebten zahlreiche Glaubensprüfungen. Dann kam es zur Trennung zwischen Lot und Abram. Wieder eine Trennung der Familie. Abram war demütig und sagte: „Willst du nach links, dann gehe ich nach rechts, und willst du nach rechts, dann gehe ich nach links“ (13,9). Rechts befand sich die westliche Hemisphäre, hebr. jamin, in Richtung des Meeres (jam). Lot wählte, dem äußeren Anschein nach, das wasserreiche Gebiet im Osten von Sodom und Gomorra. Das führte zum Bösen. Abram hat auch diesen Glaubenstest bestanden! (Heute liegt Sodom auf israelischem Gebiet und Gomorrah auf jordanischem.)

Dann lesen wir von dem gerechten König Malki-Zedek (Melchisedek), dem Abram in Salem (Jerusalem) begegnete. Weiter heißt es, er sei der Priester des Hohen Gottes (El Eljion), dessen Ursprung unbekannt ist. Messianische Juden sehen hier die Gegenwart Jesu in Malki-Zedek. Zum ersten Mal lesen wir von den Elementen Brot und Wein in der Begrüßungszeremonie, welche bis heute bei Staatsempfängen in Israel üblich sind.

Gott gab auch Abram – wie später Mose – eine übernatürliche Sicht aufs verheißene Land.

Abrams Alter schritt fort, und noch immer gab es keinen eigenen Sohn. Dennoch sagte Gott zu ihm: „Blicke doch auf zum Himmel, und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst!... so zahlreich wird deine Nachkommenschaft sein!“ (15,5) Aber wo blieb denn der versprochene Sohn? Zuvor sagte Abram: „Ich gehe doch kinderlos dahin...“ Abram und Sarai kamen langsam in Panik.

Ist es bei uns nicht auch so, dass wir, wenn uns etwas von Gott angekündigt wurde, oft ungeduldig werden und fast den Glauben verlieren?

Sarai, die Frau, kam dann zu ihrem – vielleicht frustrierten – Mann und bot ihm aus Mitleid ihre Magd Hagar an. Denn sie meinte, ‘Gott habe sie (biologisch) verschlossen’. Kapitel 16 spricht nun von der Geburt Ismaels (Abram war zu der Zeit 86 Jahre alt!). Erst ’drehte Sarai ihrem Mann ihre Magd Hagar an’, dann jedoch kam die Eifersucht und sie wollte die Nebenbuhlerin wegschicken! Frauen(-geschichten) sind wohl manchmal etwas schwer zu verstehen! (Man könnte sagen, diese voreilige Handlung sorgte später für Generationen – bis heute – für Streit zwischen den Söhnen Jakobs und den Söhnen Ismaels. Dennoch hatte Gott alles vorausgesehen. Ja, Er schreibt auch auf krummen Wegen gerade!)

Als Abram 99 Jahre alt war (Kapitel 17) – 13 Jahre nach der Geburt Ismaels und nach menschlichen Gesichtspunkten ohne Aussicht auf weiteren Nachwuchs durch Sarai (die einzige Hoffnung war ein übernatürliches Eingreifen Gottes!) –, gab es eine weitere Verheißung und einen neuen Namen für Abram: Abraham! Der HERR offenbart sich zum ersten Mal als ‘El-Schaddai’: „... und ich will dich sehr, sehr mehren... und du wirst zum Vater einer Menge von Nationen werden.“ (17,2-5). Als Zeichen erhält der ewige Bund die Beschneidung (brit mila) am Fleisch eines jeden Jungen im Alter von acht Tagen. So tritt er in den ‘Bund Abrahams’ ein.

Übrigens beschneiden die Araber, gemäß Ismael, ihre Jungen im Alter von 13 Jahren. Auch sie sind die Nachkommen Abrahams – was wiederum die erwähnten künftigen Grenzen ‘vom Nil bis zum Euphrat’ erklären könnte!

Abram wurde zu Abraham, Sarai wurde zu Sarah. Beiden wurde der Buchstabe ‘He’, der wie das ’jod’ eine Kurzform des Gottesnamens JHWH ist, hinzugefügt. Eine Namensänderung durch Gott hat immer etwas mit einer neuer Berufung zu tun – wie auch bei Jakob und Josua.

Abraham konnte die Verheißungen für Sarah nicht mehr glauben. Er war es, der zuerst darüber lachte (17,17), erst später lachte Sarah. Wir werden noch sehen, dass dies nicht die letzte Glaubensprüfung Abrahams war. Die Größte stand ihm noch bevor!

Unsere Prophetenlesung aus Jesaja 40 ist passend für den alten – fast hoffnungslosen – Abraham: „Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke... Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen (genauer übersetzt: wechseln in..) neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht".

Und danach lesen wir in Kapitel 41:
„Du aber, Israel, Mein Knecht, Jakob, den Ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, Meines Freundes, du, den Ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, zu dem Ich sprach: Mein Knecht bist du, Ich habe Dich erwählt und nicht verworfen - fürchte Dich nicht, denn Ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn Ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, Ich helfe dir, ja, Ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit."

Wer kann jetzt noch behaupten, er wäre zu alt für den Ruf Gottes!?

- Michael Schneider -

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