Schabbat-Lesung und Kommentar

Freitag, 11. November 2011 |  Michael Schneider
„VA’JERA – Und Er erschien“ 1. Mose 18,1 bis 22,24; 2. Könige 4,1-37

Kommentar:
Unsere Wochenlesung beginnt mit der Gastfreundschaft Abrahams und Sarahs. Sie „eilten“ in Vorbereitung des Mahls für die drei Gottesmänner in der Hitze des Tages bei Alon Mamre (eine jüdische Siedlung, nicht weit vom heutigen Hebron). Das Beste war gerade gut genug. (Auffallend ist, dass Rindfleisch zusammen mit Milch verzehrt wurde, ganz unkoscher im Sinne des heutigen religiösen Judentums - doch es geschah ja, bevor die Thora gegeben wurde – so die Rabbiner heute!)
Es folgt eine weitere Glaubensprüfung. Sarah, die 90 Jährige, blickt auf ihre menschlich-biologische Befindlichkeit. Gerade da geschieht das Übernatürliche, Gottes Eingreifen. Das sind oft die Punkte, an die uns Gott führen muss, denn dann kommt uns der Zuruf: „Ist etwa für den HERRN etwas unmöglich?“ (18,14) Ja, erst muss in uns das Fleisch und der Eigenwille tot sein, dann kann der HERR wirken.
Nachdem die Männer Abraham die hoffnungsvolle Lebensbotschaft kundtaten, blickten sie in Richtung der geliebten Stadt Lots, Sodom und Gomorrah, und richteten an sie eine Todesbotschaft!
Abraham, der erste Fürbitter überhaupt, handelte mit allen Mitteln. 50, 45, 30, 20, ja bis herab auf zehn Gerechte, um derentwillen diese Sündenstadt verschont werden sollte. Wäre die Mindestzahl vorhanden gewesen - Gott hätte die Stadt verschont. Weiter herab als bis auf zehn ging Abrahams Flehen nicht.
Im Neuen Testament werden die Zeiten Lots mit der künftigen Endzeit verglichen. So sollten wir bei Abrahams Gerechtensuche aufmerken. Abrahams Handeln mit Gott war demütig und zurückhaltend: „Ich bin ja nur Staub und Asche“ (18,27). Nicht mit Hochmut!
Kapitel 19 spricht von der Zerstörung Sodoms und Gomorrahs. Lot wie Noah rief Gott aus der dunklen Welt heraus. Doch warnt Er uns auch: „Gedenke an Lots Weib!“ (Lukas 17,32), denn ihr Herz hing an der Welt. „Viele sind die Gerufenen, aber wenige die Erwählten!“ (Matthäus 22,14)
Interessant ist, zwischen Noah und Lot finden wir weitere Parallelen: Beide werden Gerechte genannt, beide gerettet und herausgerufen; aber sie enden durch Trunkenheit in einer Art sexueller Unzucht innerhalb der Familie! In beiden Fällen endete das mit einem Fluch für die Völker der Verantwortlichen (Täter) – Ham und später Moab und Ammon.
Wir erkennen im Abschnitt über die Töchter Lots, dass der Geist Sodoms, ein Geist der Unzucht, noch in ihnen war (ab Vers 31). Oder war es vielleicht ein Racheakt an ihrem Vater, der die Jungfrauen dem zügellosen Mob hingeben wollte, um die Gottesmänner zu verschonen? Bis zur zehnten Generation war dieses Volk verflucht. Interessant ist auch, dass genau im Anschluss daran Ruth, die Moabiterin und Ururgroßmutter von König David, auftaucht – nachdem der Fluch aufgehoben war! >br> In Kapitel 20 wird der erste von drei Auszügen nach Ägypten beschrieben, in der ein Erzvater wegen einer Hungersnot dort hin zog! Der Weg war durchzogen von Betrug und von Sünde befleckt. Auch Isaak und danach Jakob wählten diese Art von Auszug – und zuguterletzt noch die Söhne Jakobs! ...als hätte man nichts dazugelernt. In Kapitel 21 wird über die Geburt Isaaks berichtet. Sein hebräischer Name „Jitzchak“ bedeutet: „Er hat gelacht“. Jitzchak ist die – lange versprochene – Erfüllung der Verheißung Gottes! Sein Lachen ist auch so zu verstehen: Das Unmögliche, das Gott möglich macht, ist (nur) scheinbar lächerlich.
In der vorigen Lesung lasen wir von der Beschneidung Ismaels, und in der heutigen Lesung lesen wir von Isaaks Beschneidung am achten Tag, wie man sie bis heute bei jedem jüdischen Knaben durchführt. Der Segensspruch bei der Beschneidung, hebr. „Brith Mila“, spricht von dem „Hineinkommen in den Bund Abrahams“. Interessant ist, dass schon medizinisch bewiesen wurde, dass der achte Tag von der Blutzusammensetzung her, d.h. gemäß des Vorkommens des Vitamins K und des Prothrombins mit 110%, der beste Tag ist, um eine Beschneidung am Fleische des Knaben durchzuführen (Forschungsarbeit von L. Emmett Holt und Rustin McIntosh)! Ein echtes Wunder Gottes.
In Kapitel 22 lesen wir von dem größten Glaubenstest in Abrahams Leben. Er soll seinen geliebten Sohn, auf den er so lange gewartet hat, auf dem Berg Morija als ein Olah (Schlachtopfer) darbringen. Abraham zögert nicht. Frühmorgens, lesen wir, macht er sich auf den Weg. Im Glauben ganz gehorsam war er bereit, diesen Weg bis zum Schluss zu gehen – ja, das Schlachtmesser war schon erhoben. Da kam die Stimme Gottes: „Abraham, Abraham! ...Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen... Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest.“ (22,12) Danach überschüttete der HERR ihn mit Segen. Ja, später wird dieser Glaube auch in Hebräer 11 in der „Durch Glauben..“-Liste erwähnt, in der von vielen Gottesmännern und –frauen berichtet wird. Zudem wird uns durch Paulus eine Auslegung angeboten: Vielleicht dachte Abraham, Gott würde seinen Sohn Isaak von den Toten auferwecken! (Verse 17-19).
Man spricht von der Bindung Isaaks, hebr. „akedat jitzchak“, und nicht von einer Opferung! Das Binden des Erstgeborenen ans Holz erinnert uns an die Bindung von Gottes Erstgeborenem ca. 1500 Jahre später. Ein klassischer Hinweis auf das Kreuz! Gott hat auch Seinen Sohn, Seinen geliebten Sohn, ans Holz binden lassen! Er jedoch ging den ganzen Weg bis zum Tod. Seht Ihr hier die Parallele?
Diese soll Abraham – laut messianischem Glauben – schon damals in einer Vision gesehen haben. Denn er nannte die Stätte: Adonai Jireh – der HERR wird zeigen (Euch sehen lassen) (Vers 14).
Unsere Haftara, Prophetenabschnitt aus 2. Könige 4, besagt, dass – wie wir in unserem Thoraabschnitt lasen – bei Gott durch wahren Glauben nichts unmöglich ist: Zuerst geschah die Vermehrung des Öles, so dass die Witwe ihre Schulden zurückzahlen konnte und danach noch reichlich für sie und ihre Söhne übrig bleibt (ja, so ist unser gnadenvoller Herr). Danach das Wunder, wie Elisa einen Jungen wieder vom Tode auferstehen ließ, und im Abschluss des Kapitels die Brotvermehrung. Ähnliche Wunder, wie wir ihnen auch, durch Jesus, dem Messias, im Neuen Testament begegnen!
Ja, wir brauchen den zweifelsfreien und festen Glauben wie einst Abraham und die Bereitschaft, alles zu geben. Dann sind Wunder, wie Elisa sie tat, zu erwarten und möglich!
Michael Schneider
Dies ist eine gekürzte Fassung des Schabbat-Kommentars. Eine ausführliche Fassung wird im demnächst erscheinenden Buch von Michael Schneider zu finden sein.

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