Israel beobachtet Ägypten

Donnerstag, 21. Juni 2012 |  Aviel Schneider

Der ägyptische Militärrat will erst nächste Woche den neuen Wahlsieger der Präsidentschaftswahlen bekanntgeben und nicht, wie eigentlich geplant, heute. Beide Kandidaten, Achmed Schafiq (säkular) und Mohammed Mursi (Muslimbruderschaft) haben bereits in den letzten Tagen inoffiziell ihren Wahlsieg in den ägyptischen Medien angekündigt. In Ägypten toben die Gerüchte unter Journalisten, dass der radikale Kandidat der Muslimbruderschaft die Wahlen gewonnen hat, aber der Militärrat eine Islamisierung Ägyptens befürchtet und daher die Veröffentlichung der Wahlergebnisse verschiebt. Dazu erklärte der Militärrat, dass zu viele Fälschungen am Wahltag registriert wurden, besonders unter den Wählern des fanatischen Präsidentschaftskandidaten. Das ägyptische Volk ist aufgebracht und interpretiert das Zögern des ägyptischen Militärrates als Statement, keinen Umschwung im Land zu wollen. Ägypten sieht sich großer Ungewissheit gegenüber und dies bedeutet besonders für den israelischen Nachbarn Gefahr. Ungeachtet dessen wurden die Nacht über wiederholt zahlreiche Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen. Es gab keine Verletzten. Sollte der 33-Jährige Friedensvertrag mit Ägypten gebrochen werden, so macht es aus israelischer Sicht keinen Sinn, jemals einen neuen Friedensvertrag mit Arabern zu unterzeichnen. Damit würde die Formel „Land für Frieden“ endgültig platzen. Wenn es den Palästinensern und Syrern wirklich um ihr so genanntes „verlorenes Land“ geht, wie die Golanhöhen im Norden und das biblische Kernland Judäa und Samaria, so müssten beide aus taktischem Interesse gegen einen Friedensbruch zwischen Israel und Ägypten sein, solange sie noch nicht die Gebiete von Israel für einen Friedensvertrag errungen haben. Ein Friedensbruch zwischen Israel und Ägypten reißt die gesamte Region in eine politische Tiefe und vielleicht in einem neuen Krieg hinein. Das Chaos in den arabischen Ländern um Israel, zusammen mit Ägypten als neuer offizieller Feind Israels, könnte die arabische Umgebung zu einem Angriff auf Israel ermutigen. Das sind mögliche Szenarien, aber aus Erfahrung hat der Nahe Osten und Israel den Westen schon häufig überrascht.

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