Israels vergessene Olympia Legende

Freitag, 17. August 2012 |  Michael Selutin

In diesen schweren sportlichen Zeiten für Israel, in denen das Land keine einzige olympische Medaille nach Hause holen konnte, erinnert man sich gern an frühere Erfolge, auch wenn sie nicht wirklich israelische Erfolge sind. In der ruhigen Hafenstadt Herzlia lebt nämlich die 91 jährige Agnes Keleti, die in den 50er Jahren 10 olympische Medaillen für Ungarn im Turnen gewonnen hat.

Ihre Lebensgeschichte ist jedoch nicht nur wegen ihrer ungewöhnlichen sportlichen Karriere interessant, die sie in einem Alter begann als viele ihrer Kollegen schon im Ruhestand waren, sondern auch wegen der weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich in ihrer Lebenszeit abspielten: Ihre Mutter und Schwester überlebten Dank Papieren des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, ihr Vater und andere Verwandte starben in Auschwitz und sie selbst überlebte, indem sie eine christliche Identität annahm.

Im Alter von 35 Jahren gewann Keleti vier Gold- und zwei Silbermedaillen bei den olympischen Spielen in Australien und wurde damit die Frau mit den meisten Medaillen der Welt. Während dieser olympischen Spiele überfiel die Sowjetunion Ungarn, auf der anderen Seite der Weltbekam Keleti und die Hälfte des olympischen Teams von Ungarn sofort Asyl und im nächsten Jahr wanderte sie nach Israel aus. Hier heiratete sie, bekam zwei Söhne und trainierte die israelische Gymnastikmannschaft mehrere Jahrzehnte lang.

Obwohl sie mit 91 Jahren schon einigeErinnerungen an ihre früheren Erfolge eingebüßt hat, ist Agnes Keleti körperlich noch sehr fit, da sie lange Spaziergänge macht und im Meer schwimmt. Die diesjährigen olympischen Spiele in London hat sie aufmerksam am Fernseher verfolgt, „Es ist eine Schande, dass Israel keine Medaille gewonnen hat“, sagt Keleti und fügt mit einem Lächeln hinzu, „Aber ich bin ja auch Israelin.“

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