Wie oft muss die Welt untergehen?

Freitag, 18. Januar 2013 |  Aviel Schneider

Drei Tage vor Weihnachten drehte sich alles um den Weltuntergang, der für den 21. Dezember vorhergesagt war, denn an diesem Tag lief ein alter Maya-Kalender aus, und mit ihm sollte auch das Leben auf dieser Erde aufhören. Am Vortage fand an der offenen Universität Raanana eine Konferenz statt, sie hatte den Arbeitstitel „Morgen ist das Ende der Welt“. In Israel befassten sich die Medien mit der möglichen Apokalypse und den letzten Tagen vor einem Weltuntergang, der diesmal aus Südamerika vorhergesagt wurde. Der Weltuntergang ist nicht eingetroffen, und dies hatten die jüdischen Rabbiner auch nicht anders erwartet.

Laut jüdischer Lehre wird das Weltende erst nach zehn Generationen kommen. Die Zeitung Jediot Achronot berichtete am 22. Dezember unter dem Titel: Die Angst der Moslems vor dem König der Juden: „Millionen Moslems haben Angst vor Daddschal, einem Betrüger, der in naher Zukunft den letzten Krieg, Gog gegen Magog, ausrufen wird.“ Und wie sehen Moslems den jüdischen Messias? „Laut islamischer Tradition ist Daddschal Jude und wird mit 70.000 Juden, den Söhnen Isaaks, aus Isfahan (Iran) die Welt angreifen. Das heutige Israel wird sein künftiges Königreich sein, und der jüdische Teufel lebt bereits in Israel. So wird in islamischen Ländern wie in Malaysia in allen denkbaren Medien gegen die Juden und gegen Israel gehetzt. Ja, die Juden warten auf ihren geliebten König (Messias). Dieser wird die Welt vom Osten bis zum Westen beherrschen, alle Kreaturen müssen ihm dienen. Er lockt die Menschheit in einen Unglauben…“

Die Zeitung Maariv schrieb: „Wir haben gute Nachrichten und schlechte Nachrichten.“ Die gute Nachricht sei, dass die Welt nicht unterging. Und die schlechte, dass die Welt gemäß Talmud und biblischer Auslegung in 227 Jahren untergehen werde.

Der Sohn des berühmten Rabbiners und Gelehrten David Basri meldete den israelischen Medien im Auftrag seines Vaters „am Tage des Weltuntergangs“, dass die Welt mit Ende des Jahres 6000 untergehen werde. „Zugleich wird eine neue Welt erschaffen“, erklärte Rabbi Izchak Basri. Nach dem jüdischen Kalender leben wir im Jahr 5773 nach Schöpfung der Welt. „Diejenigen, die Gott folgen und ihm treu bleiben, werden diese Welt für eine bessere Welt verlassen. Die alte Welt wird vernichtet.“

Was nach dem Weltuntergang geschieht, weiß keiner ganz genau. Für den Jerusalemer Rabbi Basri ist dies die Frage aller Fragen. „In Jesaja (40,31) steht: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, und sie werden auffahren mit Flügeln wie Adler“, sagte der Rabbi mit Blick auf einen Aufstieg der Gläubigen zum Himmel. Der in Israel angesehene Rabbiner verlässt sich dabei auf alte Auslegungen des Rabbiners Qattina, der zur zweiten Generation der Amoräer (250-290 n. Chr.) gehörte. Das waren jüdische Gelehrte in Babylon und Eretz Israel, die ihre Diskussionen über die Thora festhielten. „6000 Jahre wird die Welt existieren, und im 7. Jahrtausend wird die Welt untergehen“, schreibt Rabbi Qattina.

Nach jüdischer Auslegung wurde die Welt nach Zyklen von 7000 und 50.000 Jahren erschaffen und vernichtet. Dies gründet auf dem biblischen Prinzip des Sabbatjahrs, auch Schmittah genannt. Sechs Jahre wird das Ackerland bearbeitet und im siebten Jahr genießt der Boden einen Ruhetag (2. Mose 23,10-11 und 3. Mose 25). Nach sieben Sabbatjahren kommt das Jubeljahr, alle 50 Jahre ein biblisches Erlassjahr aller Schulden, unter gleichzeitigem Besitzausgleich.

Bei der Konferenz machte Avriel Bar Levav, Experte für jüdische Philosophie und Theologie, darauf aufmerksam, dass Rabbi Qattina seine Auslegung auf den Propheten Hosea stützte und das Weltende bereits zu dessen Zeit debattiert wurde. „Schon damals waren nicht alle mit dem Zeitpunkt einverstanden“, erklärte Bar Levav. „Außerdem setzte Gott in 1. Mose ein Zeichen am Himmel, den Regenbogen, womit er der Menschheit versprach, sie nicht noch einmal zu vernichten.“ Die Gelehrten diskutierten, warum Gott auf der einen Seite eine Welt erschafft, sie aber auf der anderen Seite wieder vernichtet? „Gott erschafft und vernichtet Welten“, heißt es unter den Gelehrten, und damit beziehen sie sich auf Jesaja 65,17: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch sie zu Herzen nehmen, sondern sie werden sich ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, was ich schaffe.“

Schon immer waren Menschen neugierig, wenn es um das Weltende geht. Bar Levav zitiert Prediger 3,11: „Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und lässt ihr Herz sich ängsten, wie es gehen solle in der Welt; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ Im hebräischen Bibeltext fehlt im Wort für Welt (Olam - עולם) der Buchstabe Vav (ו). Über Jahrhunderte hinweg war dies für viele Rabbiner laut Bar Levav ein Zeichen, dass Gott, der Schöpfer, den Weltuntergang aus dem Wissen der Menschen tilgt, so, wie den Buchstaben. Wissend, wann die Welt untergeht, könnte keine Menschheit funktionieren.

Die Weisen lehren, dass eines Tages der Erlöser erscheint und das Alte gegen das Neue austauscht. Dies muss, so meinen Rabbiner, noch vor Ablauf des sechsten Jahrtausends geschehen. „Denn gleichwie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht Gott, also werden euer Same und euer Name bestehen. Und es wird geschehen: Von Neumond zu Neumond und von Sabbath zu Sabbath wird alles Fleisch kommen, um vor mir anzubeten.“ (Jesaja 66,22-24). Der Messias wird kommen sein Volk erlösen und den neuen Tempel bauen. So zitierten Rabbiner in den Medien ebenso Daniel 12: „Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, ein jeder, der im Buche geschrieben gefunden wird.“

Gelehrte sagen über diejenigen, die meinen, diese Verse schon vor dem Geschehen richtig zu verstehen, dass „ihr Geist ausgelöscht werden soll, die das Ende berechnen“. Bis die letzten Tage nicht anbrechen, wird kein Mensch, auch nicht die Weisen, wissen, wie und wann dies passieren wird“, erklärte bereits im 12. Jahrhundert der berühmte Rabbiner aus Cordoba, Moses Maimonides. „Wir müssen geduldig warten und fest glauben!“

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.