Neue Dokumente: Brandt hätte Yom-Kippur-Krieg verhindern können

Montag, 10. Juni 2013 |  Tommy Mueller

Im Sommer 1973 besuchte Willy Brandt (Foto) als erster amtierender Bundeskanzler den Staat Israel. Damals bat ihn Israels Ministerpräsidentin Golda Meir, Geheimgespräche mit Ägypten zu führen. Israel sei bereit, sich vom Sinai zurückzuziehen. Das israelische Staatsarchiv hat nun Dokumente freigegeben, die belegen, dass Golda Meir auf den falschen Mann gesetzt hat. Der sozialdemokratische Kanzler traute den Israelis nicht und wollte es sich nicht mit der arabischen Welt verderben. Er unterließ es, dem ägyptischen Präsidenten Sadat – wie von Israel gewünscht – die geheime Botschaft persönlich zu überbringen. Hätte der Friedensnobelpreisträger die Bitte von Golda Meir ernst genommen, hätte der Yom-Kippur-Krieg wohl verhindert werden können.

Die Dokumente wurden vom israelischen Staatsarchiv auf Hebräisch veröffentlicht. Gleichzeitig erschien ein ausführlicher Artikel in der deutschen Zeitung Welt am Sonntag. Darin dokumentieren Hagai Tsoref vom israelischen Staatsarchiv und der deutsche Historiker Michael Wolffsohn, wie Brandt die Friedenskarte verspielte. Ihrer Ansicht nach hatte Brandt persönlich kein Interesse an engen Kontakten mit Israel und war prinzipiell nicht bereit, als Vermittler im Nahen Osten aufzutreten. Dort war es damals fünf Minuten vor zwölf: Kairo bereitete einen Krieg gegen den Judenstaat vor. Golda Meir bat Willy Brandt in einem Vieraugen-Chefgespräch um Hilfe. Israel sei bereit, Geheimverhandlungen mit Ägypten zu beginnen. Doch was als Chefsache geplant war, machte der unwillige Brandt zu einer Behördenangelegenheit: Er delegierte die Angelegenheit ans Auswärtige Amt, wo die Initiative letztlich folgenlos verpuffte.

Es kam zum Krieg, den Israel letztlich unter großen Verlusten gewann. Der damalige deutsche Bundeskanzler hätte das Blutvergießen verhindern können – wenn er nur gewollt hätte.

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