Weltkirchenrat lässt alte Kreuzfahrer-Theologie wieder aufleben

Freitag, 14. Juni 2013 |  Zwi Sadan

Bei seiner jüngsten Sitzung im Libanon hat der Weltkirchenrat die folgende Stellungnahme verabschiedet: „Palästina ist weiterhin eines der zentralen Anliegen in der Region … Das Beharren, nach 65 Jahren, auf der fortgesetzten Enteignung des palästinensischen Volkes – wie auch der Christen und Muslime – durch die israelische Besatzung … ist zentral für die Unruhen in der Region. … Jerusalem ist heute eine besetzte Stadt mit einer Regierung, die eine diskriminierende Politik gegen Christen und Muslime übernommen hat.“ Der Weltkirchenrat nimmt zudem Christen, die Israel unterstützen, ins Visier: „Christen, die einen 'christlichen Zionismus' vertreten, verdrehen die Auslegung von Gottes Wort und die historische Verbindung der Palästinenser – Christen und Muslime – zum Heiligen Land. Sie ermöglichen die Manipulation der öffentlichen Meinung durch zionistische Lobbys und schaden den innerchristlichen Beziehungen“, heißt es dort weiter.

Der Weltkirchenrat, auch Ökumenischer Rat der Kirchen genannt, ist keine unbedeutende Organisation: Sie repräsentiert rund 500 Millionen Christen aus 120 Ländern der Erde. Aus Deutschland gehören ihm unter anderem alle 22 evangelischen Landeskirchen an, zudem die Methodisten und Altkatholiken. Von den weltweiten Kirchen sind Baptisten, Lutheraner und mehrere unabhängige Kirchen Mitglieder der Vereinigung, die ihren Sitz in Genf hat.

Die jüngste Stellungnahme erinnert in Ton und Inhalt an die historisch bekannten antijüdischen Aussagen von Christen. Beispielsweise behauptet der Weltkirchenrat, Jerusalem sei eine „besetzte Stadt“. Dabei unterscheidet er nicht zwischen Ost- und Westjerusalem. Für diese Christen bedeutet dies somit, dass ganz Jerusalem unter Kontrolle von irgendjemandem stehen sollte – nur nicht unter israelischer, oder präziser: jüdischer. Die Tatsache, dass in der aktuellen politischen Diskussion nur der arabisch dominierte Ostteil von Jerusalem als besetztes Gebiet bezeichnet wird, ist für diese „frommen“ Theologen irrelevant. Der Zionismus ist eine im späten 19. Jahrhundert entstandene Nationalbewegung, die sich für die Heimkehr des jüdischen Volkes in ihr Vaterland einsetzt und für die Wiederherstellung der jüdischen Souveränität im Heiligen Land. Die Bibel ist voll von Verheißungen für diese wahr gewordene Vision. Der Weltkirchenrat muss deshalb behaupten – wie einst die Kreuzfahrer – dass das auserwählte Volk Gottes nicht die Juden, sondern alle wahren Christen seien. Darum sollte Jerusalem auch nicht unter jüdischer Verwaltung stehen – lieber wäre dem Weltkirchenrat wohl eine muslimische. Dass sie mit dem Finger auf Israel zeigen und den jüdischen Staat alleine für die Unruhen im Nahen Osten verantwortlich machen, zeigt die wahre Gesinnung dieser Christen: purer Antisemitismus.

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