Polizeieinsatz an der Westmauer: Ultraorthodoxe vertreiben Reform-Frauen

Montag, 8. Juli 2013 |  Tommy Mueller

An der Westmauer („Klagemauer“) in der Jerusalemer Altstadt ist es heute zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Reform-Jüdinnen der „Frauen der Mauer“-Bewegung (Foto) wollten im Frauenbereich an der Mauer beten. Sie trugen dabei Gebetsriemen, Gebetsschals und lasen aus der Tora – all dies ist gemäß jüdischer Tradition den Männern vorbehalten. Ultraorthodoxe Rabbiner hatten das Verhalten der Reform-Jüdinnen bereits mehrfach als gotteslästerlich verurteilt. So versammelten sich heute früh etwa 5000 ultraorthodoxe junge Frauen an der Mauer. Sie riefen Hass-Parolen und bewarfen die „Frauen der Mauer“ mit Eiern und Wasserbeuteln. Schließlich griff die Polizei ein, die die Reform-Jüdinnen aufforderte, ihren Gebetsplatz zu verlassen.

Das Eingreifen der Polizei sorgte zwar für Ruhe, wurde aber von Vertretern der jüdischen Reformbewegung kritisiert. Der Rabbiner Gilad Kariv warf der Polizei vor, sie habe die „Frauen der Mauer“ nicht geschützt und sich stattdessen dem Druck der ultraorthodoxen Provokateure gebeugt. Ganz anders sah Yossi Deutsch (Vereinigte Torapartei) von der Jerusalemer Stadtverwaltung den Konflikt: „Die Westmauer ist ein Ort, der die Juden vereinigt. Es ist eine Schande, dass am ersten Tag des Monats Av eine Frauengruppe hierher kommt und die Menschen spaltet.“

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