Zwei „Kronprinzen“ sind die neuen Oberrabbiner Israels

Donnerstag, 25. Juli 2013 |  Tommy Mueller

Israel hat zwei neue Oberrabbiner. Beide treten in die Fußstapfen ihrer Väter: Yitzhak Yosef, Sohn des bisherigen Oberrabbiners Ovadia Yosef, ist neuer geistlicher Leiter der sephardischen (orientalisch-iberischstämmigen) Juden. David Lau (Foto), Sohn des früheren Oberrabbiners Meir Lau, wurde zum neuen Oberhaupt der askenasischen (europastämmigen) Rabbiner gewählt. 80 wahlberechtigte Rabbiner und 70 Laien konnten sich zwischen sechs Kandidaten entscheiden. Die Wahl der beiden „Kronprinzen“, deren Amtszeit zehn Jahre beträgt, stieß auf ein geteiltes Echo. Enttäuscht zeigte sich vor allem die junge zionistische Bevölkerung, die auf Rabbiner David Stav gesetzt hatte.

Oberrabbiner ist ein Titel, der dem religiösen Führer der jeweiligen jüdischen Gemeinde eines Landes verliehen wird. In Israel gibt es seit 1911 zwei Großrabbiner – einen aschkenasischen und einen sephardischen. Abgelöst werden nun der aschkenasische Rabbi Jona Metzger und sein sephardischer Partner Rabbiner Schlomo Amar. Das Oberrabbinat ist für die Verleihung von “Koscher-Zertifikaten“ zuständig, für die Überwachung der Speisegesetze, die Verwaltung von Synagogen und die Ernennung der örtlichen Rabbiner. David Lau ist nun mit 47 Jahren der jüngste Oberrabbiner Israels. Der Vater von sieben Kindern im Alter zwischen neun Tagen und 24 Jahren feierte den Wahlsieg in seinem Wohnort Modi'in, zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Er unterstrich, er wolle ein Oberrabbiner für alle sein. Sein Vater Meir Lau betonte, die Wahl seines in Israel geborenen Sohnes sei eine Antwort an die Nazis, die einen Großteil seiner Familie umgebracht haben.

Laus neugewählter sephardischer Amtskollege Yitzhak Yosef (61) feierte mit seiner Familie und Vertretern der ultraorthodoxen Schass-Partei in Jerusalem. Er unterstrich, er werde alles tun, um die Heiligen Schriften den Menschen liebenswert zu machen.

Im Vorfeld der Wahl war gefordert worden, Israel solle in Zukunft nur noch einen Oberrabbiner haben. Möglicherweise wird dies bei der nächsten Wahl umgesetzt.

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