Basketball-Kontroverse: Neuer Oberrabbiner steht in der Kritik

Mittwoch, 31. Juli 2013 |  NAI-Redaktion

Der neue israelische Oberrabbiner David Lau wird, nur eine Woche nach seiner Wahl, heftig kritisiert. Ihm wird vorgeworfen, rassistische Aussagen über afroamerikanische Basketballspieler gemacht zu haben. „Warum interessiert es euch, ob diese Kushims (eine abwertende Bezeichnung für dunkelhäutige Personen), die in Tel Aviv bezahlt werden, gegen die Kushims gewinnen, die in Griechenland bezahlt werden?“, fragte der Rabbi angeblich Studenten einer Bibelschule, die sich im Fernsehen die Basketball-Euroleague anschauten. Basketball ist in Israel überaus populär (im Bild eine Szene des jüngsten Länderspiels Israel – USA). Amram Mitzna , Vorsitzender des Bildungs- und Sportkomitees im israelischen Parlament, reagierte sofort: „Es ist sehr unglücklich, dass ein Rabbiner, der eigentlich dafür verantwortlich ist, einen ethisch korrekten Weg zu gehen, solche rassistischen Bemerkungen macht.“

Der Abgeordnete Nachman Shai von der Arbeiterpartei forderte, dass Rabbiner Lau sich bei den Afroamerikanern entschuldigen müsse, die nach Israel kommen, um Basketball zu spielen. Auch solle er bei allen dunkelhäutigen Israelis um Vergebung bitten. Weiter erklärte Shai: „Der Vater von Rabbiner Lau, der Auschwitz überlebt hat, sollte seinem Sohn einmal etwas über Toleranz und Gleichheit beibringen.“ Laus Aussagen lösten auch bei der Abgeordneten Penia Tamanu-Shata, einer äthiopischen Jüdin, heftige Reaktionen aus: „Es ist abscheulich, dass ein Rabbiner in einer derart hohen Position sich in so einer rassistischen Art und Weise ausdrückt.“

Unerwartete Unterstützung bekam der neue Oberrabbiner von Naftali Bennett, dem Minister für Wirtschaft und Handel, der zuletzt weitreichende Reformen im Oberrabbinat gefordert hatte. Bennett kritisierte die Medien scharf für ihre Berichterstattung über David Lau. Sie würden ihn für einen kleinen Witz attackieren. Er drängte darauf, damit aufzuhören, Menschen für jeden kleinen Fehler, den sie machen, zu verurteilen. Weiter erklärte er: „Ich bin mir sicher, dass David Lau großartige Dinge für die Israelis bewirken wird.“

Oberrabbiner ist ein Titel, der dem religiösen Führer der jeweiligen jüdischen Gemeinde eines Landes verliehen wird. In Israel gibt es seit 1911 zwei Großrabbiner – einen aschkenasischen und einen sephardischen. Das Oberrabbinat ist für die Verleihung von “Koscher-Zertifikaten“ zuständig, für die Überwachung der Speisegesetze, die Hochzeitsregeln, die Verwaltung von Synagogen und die Ernennung der örtlichen Rabbiner.

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