Zirkus Kairo

Montag, 11. August 2014 |  Aviel Schneider

Im Land wird die Kritik gegen die Regierung immer lauter. Keiner versteht so richtig welche Richtung Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gegenüber den Hamas einschlagen will. Die Bevölkerung hat das Gefühl, dass die Hamas im Gazastreifen das Leben in Israel bestimmt. Hunderte Familien aus den Ortschaften um den Gazastreifen protestierten gegen die Regierung, die ihrer Ansicht nach nicht ihre Aufgabe erfüllt und Israels Südbezirk Sicherheit bietet. Die Mehrheit des Landes sieht das genauso und meint, dass Israel den Gazastreifen zu früh verlassen hat. Israel hätte das Hamasregime und seine Terroristen vernichten sollen, dieser Meinung sind sich Minister wie Avigdor Liebermann, Naftali Bennett und Gidon Saar einig. Gestern wurden über 40 Raketen auf Israel abgeschossen. Israel sagte zwar unter Raketenbeschuss nicht zu verhandeln, aber dennoch ist Israel in den Gesprächen in Kairo online dabei. Die vorgeschlagenen Feuerpausen sind zum Witz geworden, denn die Hamas hält sich nicht daran. Israel sagt zu und wird nach wenigen Stunden mit Raketen beschossen. Egal mit wem man spricht, alle reden von einem komischen und seltsamen Gefühl. Etwas funktioniert nicht. So kann es einfach nicht weitergehen. Israels ehemaliger Chef des Schin Bet Sicherheitsdienstes Avi Dichter sagte, dass es nun Zeit wird, die Hamas und ihre islamischen Dschihadisten zu besiegen. „Die Hamas muss militärisch besiegt werden und der Gazastreifen entmilitarisiert“, so Dichter.

Alex Fischmann, politischer Kommentator der Tageszeitung Jediot Achronot, bezeichnet die Verhandlungen in Kairo als einen Zirkus. „Was in Kairo abläuft ist ein Zirkus in drei Kreisen“, schrieb Fischmann. „Die Chance, dass diese Feuerpause für 72 Stunden anhält, ist sehr niedrig.“ Dan Margalit, der für die Tageszeitung Israel Hajom schreibt, hat Netanjahu empfohlen den Ägyptern und Hamas endlich „Bis hier!“ mitzuteilen. „Wenn die neue Feuerpause tatsächlich anhalten wird, dann muss Netanjahu mit seiner Stimme laut und deutlich ausrufen, dass dies das letzte Mal ist, dass Israel einer Feuerpause zustimmen wird.“ Margalit, Fischmann und andere Kommentatoren und Sicherheitsexperten verstehen, dass es unmöglich ist, so weiter zu machen.

Israel ist in eine Operation namens Starker Felsen eingetreten und wer sich heute als starker Felsen beweist ist das Volk und weniger die Regierung. Israels Verteidigungsminister Mosche Yaalon wird sogar nachgesagt, dass er ein Minister ohne Sicherheit ist. Aus verschiedenen Quellen aus dem Regierungskabinett geht hervor, dass Netanjahu und Yaalon auf keinen Fall weiterhin die Bodenoffensive im Gazastreifen fortführen wollen. Israels Feinde riechen das Zögern und Israels eventuelle Angst das Terrorregime im Gazastreifen vollständig zu vernichten. Dies nutzen sie aus und machen aus Israel und den Feuerpausen einen Zirkus. Das Volk wiederholte mehrmals in den israelischen Medien, das die Regierung volle Rückendeckung hat die Hamas zu beseitigen, um damit Ruhe und Sicherheit für eine lange Zukunft zu gewinnen. Aber dies wird laut etlichen Kommentatoren von Netanjahus Regierung verspielt. Wahrscheinlich muss Netanjahu und sein Sicherheitskabinett auch die steigende antisemitische Welle in Europa mit berücksichtigen, die Israels strategische Entscheidungen beeinflusst, obwohl das ungern zugegeben wird.

Der internationale Druck auf Israel wie auch jetzt wieder, den Palästinensern und Hamas entgegenzukommen, schwächt Israel. Wie sagte doch gestern die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton: „Israel werde unfair behandelt!“ Dies sagte sie mit Blick auf den Gaza-Konflikt, und weiter, „Es ist bemerkenswert, dass neben Konflikten wie dem syrischen Bürgerkrieg mit 170.000 Toten oder der Vormarsch der radikal-islamischen ISIS in der Levante, nur Israel eine weltweite Empörung auf sich zieht. Das ist unangebracht und ungerecht.“

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