Hält Papst Franziskus Mahmud Abbas für einen „Friedensengel“?

Freitag, 22. Mai 2015 |  Tommy Mueller

Eine Äußerung von Papst Franziskus sorgt in der jüdischen Welt für Aufregung: Angeblich hat er Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei einer Privataudienz in Rom als „Friedensengel“ bezeichnet. Die Äußerung löse besonders in Israel Empörung aus: Der 80-jährige Holocaust-Leugner Abbas scheut sich nicht, palästinensische Attentäter, die Juden ermorden, als „Helden“ und „Märtyrer“ zu loben sowie Straßen und Plätze nach ihnen zu benennen.

Der Papst hatte im Beisein von Abbas auf dem Petersplatz Maria Alfonsina Danil Ghattas (1843-1929) und Mariam Baouardy (1846-1878) heilig gesprochen. Danil Ghattas gründete den bis heute in Jerusalem populären Orden der Rosenkranzschwestern. Baouardy lebte und wirkte im galiläischen Ort Ibilin. Laut Vatikan handelt es sich um „palästinensische Ordensfrauen“.

Vor der Heiligsprechung hatte es ein 20-minütiges Treffen von Franziskus und Abbas gegeben, das nach offiziellen Angaben „sehr herzlich“ verlaufen sei. Dabei habe der Papst dem Palästinenserpräsidenten eine Medaille mit einem Friedensengel überreicht. Italienische Nachrichtenagenturen zitierten Franziskus mit den Worten: „Ich dachte an Dich, weil Du ein Friedensengel bist.“

Die Äußerung machte weltweit in den sozialen Netzwerken die Runde. Einige Nachrichtenagenturen meldeten, der Papst sei falsch zitiert worden. Er habe gesagt, Abbas könne ein Friedensengel sein. Der Sprecher des Heiligen Stuhls, Federico Lombardi, vermied eine eindeutige Klarstellung: Er habe den exakten Wortlaut nicht gehört, erklärte er auf Nachfrage von Journalisten.

Der Papst und der Palästinenserpräsident vereinbarten ein Abkommen über den Status der katholischen Kirche. Darin ist erstmals vom „Staat Palästina“ die Rede. Bereits 2012 hatte der Vatikan von „Palästina“ als Staat gesprochen. Nun taucht dieser Staat erstmals in einem offiziellen Dokument auf – für die Palästinenser ein großer diplomatischer Erfolg.

Israel kritisierte den Auftritt des Fatah-Führers in Rom. „Es ist bedauerlich, dass Mahmud Abbas internationale Foren zu Angriffen auf Israel benutzt und nicht zu Verhandlungen zurückkehrt“, sagte Emmanuel Nachschon, Sprecher des israelischen Außenministeriums.

Heftige Kritik gab es auch aus den USA. Morton A. Klein, der in Deutschland geborene Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, beklagte laut Washington Post die „Besänftigungspolitik gegenüber radikalen Muslimen“. Der Vatikan signalisiere damit „die historische katholische Feindschaft gegen Juden.“ Andere jüdische Vertreter riefen zur Besonnenheit auf. Über 130 Länder hätten „Palästina“ bereits anerkannt – mit dem Vatikan sei nun eben ein weiteres hinzu gekommen.

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