Nach dem arabischen Boykott folgt der westliche

Donnerstag, 4. Juni 2015 |  Aviel Schneider

Der internationale Boykott gegen Israel nimmt zu. Vor wenigen Tagen hat sich der britische Studentenverband der BDS (Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen) angeschlossen und gestern erklärte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Telekommunikationsunternehmen Orange, Stephane Richard, dass seine Firma schon Morgen Israel verlassen würde, wenn sie es könnte. „Aber es würde Orange eine zu hohe Geldstrafe kosten“, fügte Richard bei seiner Erklärung in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hinzu. In den letzten Tagen hat in Ägypten eine Kampagne gegen Orange International begonnen, weil Orange in weiten Teilen Israels operiert, darunter auch in den so genannten besetzten Gebieten. Darüber hinaus wurde Orange in Ägypten nachgesagt, dass das Unternehmen israelische Militäreinheiten unterstütze. „Ich weiß, dass dies in Ägypten ein sehr empfindliches Thema ist“, sagte Richard gegenüber seinen ägyptischen Gastgebern. „Aber wir wollen echte Partner mit allen arabischen Staaten werden.“ In Israel gehört Orange zu den drei größten Telekommunikationsfirmen. Orange hat einen Anteil von 29 Prozent am Telefonmarkt in Israel, was knapp drei Millionen Mitglieder ausmacht. In Israel ist man über Richards Äußerung empört. Der arabische Markt ist für Telekommunikationskonzerne wie Orange ein viel größerer Markt.

In sozialen Netzwerken Israels wie Facebook laufen bereits Kampagnen, die zur Abbestellung von Orange aufrufen. Die israelische Partnerfirma von Orange erklärte in den Medien deutlich, dass sie nichts mehr mit Orange zu tun habe und selbständig arbeite. Der israelisch-amerikanische Milliardär Haim Saban, der unter anderem Teileigentümer von Orange Israel ist, erklärte: „Ich bin stolz an der Spitze der Partnerfirma Orange in Israel zu sein. Wir pachten nur den Namen Orange in Israel und nicht mehr. Drohungen werden uns nicht einschüchtern. Ich werde weiterhin Orange in Israel behalten und Israel hartnäckig in der Welt verteidigen.“ Israel sorgt sich zunehmend um die größer werdende Boykottwelle der BDS. BDS wurde vor zehn Jahren auf den Aufruf von über 150 palästinensischen Nicht-Regierungsorganisationen ins Leben gerufen.

„Eine groß angelegte Delegitimierungskampagne wird gegen den Staat Israel geführt und gegen seine Existenz als nationaler Staat des jüdischen Volkes“, erklärte Israels neue Justizministerin Ayelet Shaked auf einer Sondersitzung im israelischen Parlament. Die Kampagne will Israel als Quelle allen Übels in der Welt präsentieren“, fügte Shaked hinzu. „So wie der Antisemitismus Juden in der Vergangenheit dargestellt hat“. Auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kritisierte den steigenden Boykott. „Sie verdammen Israel, aber nicht den brutalen Islamischen Kalifenstaat, damit verdammen sie sich selbst.“ Es sieht so aus, als ob der Westen nun das vollenden will, was der arabische Boykott nicht geschafft hat. Dieser endete mit den Osloer Verhandlungen in den 90er Jahren.

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