Israel gedenkt der 6 Millionen Opfer des Holocaust

Donnerstag, 5. Mai 2016 |  NAI Redaktion

Um 10 Uhr ertönten im ganzen Land die Sirenen und brachten den Alltag zum Stillstand. Ob zuhause, in der Stadt, im Auto oder in der Strassenbahn, alles stand still für zwei Minuten, in denen das jüdische Volk den sechs Millionen Opfern des Holocaust gedachte.

Der Gedenktag hatte gestern Abend mit der traditionellen Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem begonnen. An der Zeremonie nahmen neben Staatspräsident Reuven (Rubi) Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Überlebende des Holocaust und deren Familienangehörige teil. Im Laufe der Zeremonie zündeten sechs Holocaust-Überlebende sechs Kerzen an, in Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die zwischen den Jahren 1933 und 1945 von den Nazis und deren Helfern ermordet wurden.

In seiner Rede warnte Präsident Rivlin vor dem immer stärker werdenden Antisemitismus in Europa und erwähnte dabei auch die antisemitischen und anti-israelischen Äusserungen einiger Mitglieder der britischen Labor-Partei. "Der Antisemitismus und die Verfolgung von Juden ist nicht etwas, das vorübergeht, etwas, dass man nicht beachten muss, der Antisemitismus ist eine chronische Krankheit, die tief in die Geschichte der Völker eindringt. Die Stimmen, die wir von den britischen Linken und von den Rechtsextremisten in Europa und in Teilen der arabischen Welt hören, sind der Beweis dafür. Der Staat Israel bekämpft den Antisemitismus dadurch, dass er eine Heimstätte für das jüdische Volk und eine jüdische Armee garantiert," sagte er.

"Der Holocaust gab dem jüdischen Volk die schwere Aufgabe, auf der Weltbühne gegen den Antisemitismus und gegen den Rassismus und Nationalismus zu stehen."

Weiter erwähnte Rivlin die Situation der noch lebenden Überlebenden des Holocaust. "Die Zahl der unter uns noch lebenden Holocaust-Überlebenden wird immer geringer. Wir sollten zugeben, dass wir uns geirrt haben. Die Überlebenden haben von uns nicht die ihnen gebührende Ehre erhalten. Auch heute macht der israelische Staat nicht genug, um den Holocaust-Überlebenden zu helfen."

Vor einigen Tagen wurde veröffentlicht, dass unter den noch 190000 lebenden Holocaust-Überlebenden um die 45000 in Armut leben, worauf Finanzminister Moshe Kachlon eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung versprach.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in Anlehnung an das Thema: "Meine Brüder und Schwestern, die Überlebenden des Holocaust. Gestern habe ich euch zusammen mit meiner Frau in meinem Amtssitz empfangen. Ihr habt mir erzählt, wie ihr trotz unmenschlicher Zustände die Menschlichkeit erhalten habt, wie ihr an dem Leben festgehalten habt und dann hier in Israel neues Leben geschaffen habt. Es ist unsere Pflicht, euch, allen Überlebenden, ein ehrenvolles und sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Präsident Rivlin, es ist richtig, in der Vergangenheit haben wir nicht genug getan. Aber in den letzten Jahren haben wir die Unterstützungen für die Überlebenden erhöht und wir werden noch mehr geben und das aus einem Grund: Sie haben es sich verdient."

Nach der zweiminütigen Sirene haben im ganzen Land Gedenkzeremonien begonnen, in denen unter anderem auch von den Erlebnissen der Überlebenden des Holocaust erzählt wird. Auch die lokale Presse und das Fernsehen widmen sich dem Thema und erzählen die Geschichten der Überlebenden und zeigen Filme, damit der Holocaust nicht vergessen und nie wieder geschehen wird.

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