Israelischer Stolz, wirklich?

Mittwoch, 18. Mai 2016 |  Tsvi Sadan

Der israelische Teinehmer des Eurovision Song Contest 2016 der vergangenen Woche, der als Gay bekannte Hovi Star (Chovav Skoltch) und unser lokaler Fernseh-Star, der als Drag Queen Talula Bonet auftretende Tal Kallai, machen viele Israelis stolz.

In welcher Art auch immer das Phänomen der LGBTQ (Lesben, Gays, Bi-Sexuellem Transgendere und Queers) gerechtfertigt wird, steht es doch ausser Frage, dass das biblische Gesetz Israel sexuellen Verkehr Menschen gleichen Geschlechts bis auf das schärfste verbietet (3. Mose 18,22 und Kap. 20,13) . Verstehen sie mich nicht falsch, dasselbe Gesetz verurteilt auch den Ehebruch mindestens ebenso scharf, wenn nicht noch mehr, ist es doch Teil der zehn Gebote.

Dennoch sieht es so aus, als würden die Israelis das erste Gesetz mit Begeisterung brechen und sich unvorsichtig gegenüber des zweiten Gesetztes benehmen. Auch lassen sich viele Israelis von Kopf bis Fuss tätowieren, was weniger schwerwiegend sein mag, obwohl sie sich damit einem anderen Gesetz widersetzen (3. Mose 19,28).

Das sind nur einige der krasseren Beispiele für die Missachtung der Religion Israels, ein Phänomen, was noch mehr an Bedeutung bekommt wegen des direkten Einflusses auf die vornehmlich aus dem westlichen liberalen Lager ausgehende Welle des Antisemitismus.

Mit wenigen Aussnahmen versuchen die Israelis die Existenz Israels damit zu rechtfertigen, dass es die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten ist. Immer wieder hört man von israelischen Offiziellen, wie sie die Werte unserer westlichen Demokratie betonen, während sie unsere jüdische Identität herunterspielen. Dadurch stützen sie die Existenz des jüdischen Staates auf die Sicherheit und die säkularen Werte einer bestimmten Ideologie.

Diese Art der Argumentation verfehlt die zu Israel gehörenden Werte. Und das ist einer der Gründe, warum soviele Liberale sagen, dass Juden in der einen oder anderen Form auch an einem anderen Platz existieren können.

In seinem hilfreichen Versuch zu erklären, warum soviele Linke Israel hasserfüllt gegenüber stehen, kommt David Bernstein zu dem Entschluss, dass Israel für die Liberalen nichts anderes ist als ein reaktionärer Nationalismus, basiert bestenfalls auf törichte Sentimentalität und schlimmstenfalls auf die Vorstellung rassistischer Überlegenheit der Juden.

So korrekt seine Schlussfolgerung auch sein mag und Bernstein die ethnische Zugehörigkeit der Juden bekräftigt, so wird er es nicht wagen, sich auf eine spirituelle Bedeutung für den jüdischen Staat zu berufen, was wiederum die Existenz Israels problematisch unerklärt lassen würde.

Aber es gibt auch Menschen, wie der israelische Bildungsminister Naftali Bennet (Das jüdische Haus), die sehr gut verstehen, dass "unser Weg und unsere heiligen Werte uns seit Generationen begleitet haben, und uns davon abzuwenden würde Israel wahrscheinlich in den Abgrund reißen." Für diejenigen, die so denken wie Bennet, kann die Demokratie, so wertvoll und unersetzbar sie sein mag, nicht auf Kosten des Judentums bewahrt werden.

Während seiner Rede auf der jährlich am israelischen Unabhängigkeitstag stattfindenden Israel-Preis-Zeremonie erinnerte uns Bennet an die geistlichen Werte Israels, ohne die Israel nicht bestehen könnte. "Ziel der jüdischen Geschichte ist es, die verwundete Welt zu heilen," darum wird die nächste Generation des Zionismus die Form des heutigen Zionismus umkehren, dass heisst "statt universale Lösungen für die Probleme der Juden zu suchen werden wir jüdische Lösungen für die Probleme der Menschheit finden."

Für diejenigen, die es vielleicht verpasst haben, dieses ist die moderne Aussage der Vision von Jasaja, in der der Prophet Israel als einen Ort sieht, von dem aus das Gesetz hervorkommen wird (Jesaja 2,3 u. Micha 4,2).

So schwer es auch für die Israelis zu verstehen sein mag, stolz auf die Toleranz für verschiedenes sexuelles Verhalten und Geschlechter zu sein, wird sicherlich nicht das Existenzrecht Israels legitimisieren.

Dasselbe kann man über die Rechtfertigung der Existenz Israels aus Sicherheitsgründen sagen. Wenn überhaupt, so ist es die Existenz Israels, die die grösste Bedrohung für das jüdische Leben darstellt.

In Bezug auf die prophetische Berufung Israels, das Land sollte auf seinen jüdischen und demokratischen Beinen stehen, sonst wird es fallen. Man könnte sagen, dass eine immer grösser werdene Gruppe der Israelis zu realisieren beginnt, dass ein Verzicht auf eine bedeutende jüdische Identität keine brauchbare Option mehr ist.

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