Das moralische Dilemma der Israelischen Armee

Mittwoch, 3. August 2016 |  Tzvi Sadan

Der Fall von Elor Azaria, der einen verletzten Terroristen erschossen hatte, hat einen eigenen Eintrag bei Wikipedia erhalten (Momentan nur auf Englisch und Hebräisch). Der Prozess von Sergant Azaria läuft weiter und die israelische Gesellschaft ist in Aufruhr. In Anbetracht der Hetzreden verantwortungsloser Politiker und der emotionellen Diskussionen in den sozialen Netzwerken ist es klar, dass der Prozess Azarias einen Wendepunkt im Kampf um die widersprüchlichen ethischen Normen darstellt.

Wie es zu erwarten war, geht es im Prozess um unterschiedliche politische Einstellungen und ideologische Überzeugungen. Klar ausgedrückt, die Linke bezeichnet Azaria schlichtweg als einen Mörder, während auf der rechten Seite nicht wenige in Azaria einen Helden sehen, der als Einziger am Ort aufmerksam genug war und den Terroristen erschoss, der nach Meinung Azarias und seinen Kameraden unter Verdacht stand, einen Sprensatz unter seiner Kleidung versteckt zu haben.

Ansichtlich dieser öffentlichen Turbolenzen sagte der Chef der Israelischen Armee, Generalleutnant Gadi Eizenkot, in der vergangenen Woche, dass die grösste Bedrohung der Israelischen Armee das Misstrauen der Öffentlichkeit in der Armee sei. Eizenkot, der hinter dem Beschluss der Armee steht, Azaria für seine Tat zu verurteilen, sagte weiter: "Wir verlangen, dass sich die Armee den Anordnungen nach verhält, die Bestimmungen für das Eröffnen des Feuers einhält, nach den Werten und Normen der Israelischen Armee handelt. Wenn sich jemand wie der Pöbel verhalten möchte, so soll er es sagen."

Bezeichnet Eizenkot damit diejenigen, die sich gegen die Einstellung der Armee stellen, als pro-faschistischen Pöbel? Wahrscheinlich nicht.

Dennoch bekommt man den Eindruck, dass die Wortwahl Eizenkots einen inneren Diskurs im Generalstab der Armee aufdeckt, der den Unterschied der sich veränderten Moralauffassung der Armee und die der Öffentlichkeit zeigt.

Einer Meinungsumfrage des Nachrichtenportals Ynet zufolge sind 80% der Israelis der Ansicht, dass die Armee gegen Azaria hetzen würde. Sollte das bedeuten, dass die Armee in den meisten Israelis Menschen mit einer sehr fehlenden gesunden Moralvorstellung sieht?

Auch wenn es unbeabsichtigt war, diese falsche und unglückliche Wahrnehmung kommt Organen wie der Tageszeitung Haaretz sehr gelegen, die Menschen wie Gideon Levi unterstützen, der in dieser Woche schrieb: "Israel mag kein Nazi sein, auch kein faschistischer Staat. Dennoch ist es Mitglied derselben schrecklichen Familie, der Familie des Bösen."

Israel als Böse dazustellen ist nicht sachlich, sondern eher ideologisch, um das Ziel zu erreichen, Israel aus der sogenannten "West Bank" herauszuzwingen und es zu einem nicht-jüdischen Staat zu machen. Es ist ein Krieg zwischen den "Progressiven" und den "Faschisten". Sergant Azaria ist zu einem Symbol dessen geworden, was Israel ist. Das ist der Grund dafür, warum dieser spezielle Fall so wichtig ist.

Die moralischen Ansichten der Armee zeigen, auf was für ein moralisch hohes Pferd Israel gestiegen ist, am besten erklärt durch den immer wieder benutzten Satz "die Israelische Armee ist die moralischste Armee der Welt", was die Armee problematischerweise dazu verpflichtet, mehr auf die Sicherheit der Zivilbevölkerung des Feindes zu achten als auf das Leben der israelischen Soldaten.

Der ehemalige Generalstabschef Beni Gantz gab dieses öffentlich zu im Mai 2015, als er sich zu einen blutigen Kampf während des Gazakriegs von 2014 äußerte. Ein Kampf, bei dem sechs israelische Soldaten ums Leben kamen und ein siebter Soldat in Gefangenschaft genommen wurde. Gantz sagte: "In Sajaya sind wir ein Risiko eingegangen auf Kosten von Soldaten der Golani-Einheit."

Unter den vielen, die diese neue Moral herausfordern, ist Aaron Shahar, der im Nachrichtenportal News1 schrieb: "Wir haben die Idee angenommen, die moralischste Armee der Welt zu sein, toll. Aber welchen Preis zahlen wir für diesen Haufen Mist? Wir opfern unsere Kinder, um die Bevölkerung des Feindes zu schützen."

Ist Shahar nun ein Teil des Pöbels? Die meisten Israelis sind der Meinung, dass er einfach den gesunden Menschenverstand zum Ausdruck bringt, der sich aus dem einen oder anderen Grund von denen unterscheidet, die mit der Sicherheit Israels beschäftigt sind.

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.