Israel Heute Morgen

Dienstag, 6. September 2016 |  Dov Eilon

Guten Morgen liebe Leser!

Es ist schon traurig, dass es immer erst zu einer Katastrophe kommen muss, damit man mangelhafte Zustände, ganz egal auf welchem Gebiet, beseitigt. Viel zu oft verlässt man sich auf Sätze wie: "Das wird schon," oder: "Mache Dir keine Sorgen, es wird schon gut gehen". Auf Hebräisch : "Al tid'ag, yehieh beseder!" Viele lernen diesen Satz in einer ihren ersten Hebräisch-Stunden. Man nennt das hier in Israel auch das "Das-wird-schon-gehen-System", auf Hebräisch: "Shitat Hasmoch".

Gestern sind wir wieder aufgewacht, als gegen 11 Uhr morgens der Rohbau einer 4-stöckigen Tiefgarage zusammenbrach und mehrere Arbeiter unter sich vergrub. Auch jetzt sollen noch vier Menschen unter den Trümmern und Sandmassen verschüttet sein, zwei von ihnen sollen letzten Meldungen zufolge nicht mehr am Leben sein. Bis heute früh wurden 3 Leichen aus der Unglücksstelle geborgen, 24 Menschen wurden verletzt. Aber hier bei uns schafft man es auch immer, etwas Positives zu sehen: In drei Wochen sollte das Parkhaus in Betrieb genommen werden. Wäre es dann zu diesem Unglück gekommen, wären hunderte von Autos und wahrscheinlich eine große Zahl von Menschen von den Trümmern der vier in sich zusammenstürzenden Stockwerken begraben worden. Also, wir haben mal wieder Glück gehabt.

Ich hoffe sehr, dass aus diesem Unglück die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Die Baustellen in Israel werden viel zu wenig kontrolliert, was die Sicherheit betrifft. Im Radio wurde berichtet, dass es für ungefähr 17.000 Baustellen nur 18 Kontrolleure geben soll, die diese Baustellen auf Sicherheitsmängel überprüfen sollen. Das ist natürlich ein schlechter Witz. Es wurde sogar vorgeschlagen, alle Baustellen im Land erst einmal stillzulegen, um zu sehen, wie es weitergehen soll. Das wird wohl kaum geschehen. Denn das Geld spielt leider immer eine sehr große Rolle. Aber es muss etwas getan werden.

Auch in der Vergangenheit hat es Unfälle auf Baustellen gegeben, auch in fertiggestellten Gebäuden. In der Stadt Hadera, zum Beispiel, waren vor einiger Zeit plötzlich zwei Balkons zusammengebrochen, ein absoluter Alptraum. Das gesamte mehrstöckige Gebäude wurde geräumt. Keiner möchte dort wohnen. Etwas weiter zurück liegt der Zusammenbruch der sogenannten "Maccabia-Brücke". Bei der Eröffnungsfeier der 15. Makkabiade am 14. Juli 1997 brach eine Brücke über dem Hayarkon-Fluss zusammen. Vier Athleten kamen ums Leben, 60 wurden verletzt. Die für den Bau der Brücke Verantwortlichen wurden später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Ich hoffe, dass man in Tel Aviv doch noch Überlebende aus den Trümmern retten kann, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und die richtigen Konsequenzen gezogen werden.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis wolkig, leichter Temperaturrückgang. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Eilat am Roten Meer 38 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth liegt derzeit bei -213.365 m unter dem Meeresspiegel, Tendenz sinkend.

Gestern Abend habe ich mir mit meinem jüngsten Sohn im Fernsehen das Qualifikationsspiel zur Fußball WM zwischen Israel und Italien angesehen. Israel hat das Spiel wohl erwartungsgemäß mit 1:3 verloren, hat aber meiner Meinung ein sehr gutes Spiel gespielt. Die Italiener führten schon mit 2:0 als Israel mit einem wunderbaren Treffer auf 1:2 verkürzte. Danach ging es in die Halbzeitpause. In der zweiten Halbzeit spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft, Israel. Sie waren ständig am Strafraum der Italiener und hatten mehr als eine Gelegenheit, auf 2:2 auszugleichen. Nach 55 Minuten spielten die Italiener nur noch mit 10 Mann und der Druck der Israelis wurde noch stärker. Es war für die Italiener eine regelrechte Zitterpartie. Aber wie dann oft ist, kam es kurz vor dem Schlusspfiff zum 3:1 für Italien. Denn die Israelis stürmten ständig nach vorne, so dass hinten in der Abwehr keiner das Gegentor verhindern konnte. Dennoch wurde unsere Nationalmannschaft mit großem Applaus verabschiedet.

Das nächste Spiel findet Anfang Oktober in Mazedonien statt. Keiner von uns Israelis glaubt an eine Qualifikation Israels zur WM. Wie auch, wenn man in einer Gruppe zusammen mit Italien und Spanien ist.

Jetzt wünsche ich Ihnen einen angenehmen und ruhigen Dienstag, machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.