Streit um die Klagemauer

Montag, 26. Juni 2017 |  Dov Eilon

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Regierung haben gestern entschieden, die bereits Anfang 2016 beschlossene Errichtung eines Platzes an der Klagemauer für ein gemeinsames Gebet für Juden aus konservativen und Reform-Gemeinden, einzufrieren. Die Entscheidung fiel unter Druck der orthodoxen Parteien. Nun befürchtet man eine Krise mit jüdischen Organisationen im Ausland.

Bild: Amerikanische konservative und Reform-Rabbiner und „Frauen der Kotel“ demonstrieren für einen gesonderten Gebetsplatz (Foto: Hadas Parush/Flash90).

Es wird vorerst keinen weiteren Platz an der Klagemauer geben, wo Juden aus Reform-Gemeinden gemeinsam, Frauen und Männer, beten können. Dabei hatte die Regierung bereits Anfang 2016 die Errichtung eines weiteren Platzes an der Klagemauer, zusätzlich zu den bestehenden Plätzen, beschlossen. Der neue Platz sollte auch Juden anderer Strömungen die Möglichkeit geben, an der Klagemauer ihrem Glauben nach zu beten. Doch der Druck der orthodoxen Parteien war zu groß. Man ist dort nicht bereit, zu sehen, wie Frauen mit Kipa und im Talith, dem jüdischen Gebetsschal, gehüllt, an der Mauer beten. Dies sei gegen die Halacha, den Jüdischen Gesetzen.

Immer wieder kam es an der Klagemauer, der Kotel, zu Unruhen, wenn die sogenannten „Kotelfrauen“ zum Gebet kamen. Die Orthodoxen sehen darin eine Provokation. Daher dachte man sich, das Problem mit der Errichtung eines zusätzlichen Platzes an der Mauer zu lösen. Dieser Platz sollte etwas weiter südlich der anderen Plätze entstehen. Dort sollten die „Kotelfrauen" und andere Mitglieder von Reform- und konservativen Gemeinden ungestört beten können, ihrem Glauben nach. Doch für die orthodoxen Juden gibt es nur eine Kotel und eine Halacha.

So wurde der Plan für den neuen Gebetsplatz jetzt erst einmal eingefroren, sehr zum Ärger vieler jüdischer Organisationen im Ausland und der Jewish Agency unter dem Vorsitz von Natan Sharanski. Die „Kotelfrauen“ sagten bereits, dass sie auch weiterhin den für Frauen vorgesehenen Platz an der Klagemauer besuchen werden, um dort zu beten. Auch befürchtet man eine Krise mit den Jüdischen Gemeinden Nordamerikas, der Großteil dieser Gemeinden sind konservativ. Netanjahu begründet seine Entscheidung mit der Erhaltung des „Status Quo“ an der Klagemauer. Von orthodoxer Seite wurde die Entscheidung verteidigt Auch jetzt sei es jedem Juden erlaubt, die Klagemauer zu besuchen und dort zu beten. Nur erwarte man die Einhaltung der Gesetze, so wie man in einer Kirche ein gewisses Benehmen, wie das Abnehmen des Hutes, erwarte, oder in einer Moschee das Ausziehen der Schuhe, so erwarte man auch an der Kotel, sich den Jüdischen Gesetzen zufolge zu verhalten.

Unruhe um „Kotelfrauen“ an der Klagemauer.

Eine erste Reaktion auf die Entscheidung der Regierung hat es bereits gegeben. Heute Abend sollte Benjamin Netanjahu an einem feierlichen Abendessen anlässlich der Konferenz des Stiftungsrates der Jewish Agency teilnehmen. Ein Mitglied des Rates hat ihn nun aus Protest gegen die Entscheidung wieder ausgeladen.

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.