3 Schabbat-Lesung und Kommentar:

Freitag, 13. Januar 2006 | 
VA JECHI: 1. Mose 47,28-50,26; 1. Könige 2,1-12

Kurzer Kommentar:

In unserer Parascha VaJechi, auf Deutsch „Und er lebte“ (47,28), beginnt unser Text ironischerweise mit dem Wunsch Jakobs, dass seine Gebeine in Eretz Israel, bei seinen „Vätern“, beerdigt werden sollen. Mit eben diesem Wunsch endet aber auch unser Text, denn auch Josef bittet darum, man möge seine Gebeine nach seinem Tode in Israel beisetzen. Beide wollten nicht in Ägypten – also in der Diaspora begraben liegen. Dies ist bis heute der Wunsch vieler Juden in der Diaspora. Um so mehr freut es einem zu sehen, wie ein Familiendrama doch noch im Segen endet.

Josef wartete bis zum richtigen Moment, bis also die Erfüllung der Verheißung eintrat: Bis elf und nicht nur zehn seiner Brüder sich vor ihm verneigten! Weiterhin hörte er heimlich das Geständnis der Brüder: „Wahrlich, das haben wir an unserm Bruder (Josef) verschuldet! Denn wir sahen seine Seelenangst, als er uns anflehte, aber wir hörten nicht auf ihn, deshalb ist jetzt dieses Unglück über uns gekommen!“ (42,21). Dies war für Josef das Zeichen, dass nun der richtige Moment gekommen war, sich erkennen zu geben.

Nun kam auch der Vater, Jakob. Er, der einst mit dem Engel Gottes kämpfte, zog nun nach Ägypten und blieb dort in der Diaspora bis zu seinem Tod (46,2).

Noch während der letzten Tage seines Lebens, rief Jakob die Söhne von Josef zu sich – Menasse (hebr. Menashe) und Ephraim, beide entsprungen aus der Ehe Josefs mit der Ägypterin Ossnat – um sie zu segnen.

Das bedeutet, Jakobs Lieblingsenkelkinder wurden zu einem Teil der Zwölf Stämme Israels (Josef, der Stammerbe, gab sein Erbteil weiter an seine zwei Söhne), Jakob nahm sie auf wie seine eigenen Söhne, obwohl sie nie in Eretz Israel waren!

Hier finden wir nebenbei bemerkt einen Beleg dafür, dass laut Bibel die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk vom Vater weitergegeben wurde und nicht - wie später nach rabbinischer Auslegung - von der Mutter.

In Jakobs Leben spielte das Erstgeburtsrecht immer eine entscheidende Rolle: Zuerst bei sich selbst, angefangen bei seiner Geburt als jüngerer Sohn, bis zum „Kauf“ des Erstgeburtsrechts von Esau, dann bei seiner Hochzeit, denn die Ältere Lea wurde ihm vor der Jüngeren Rahel gegeben und schliesslich in Ägypten, als er selbst den Segen weitergab und zuerst den Jüngsten (Ephraim) als Segensträger erwählte noch vor dem älteren Menasse.

„Ich weiß es, mein Sohn, ich weiß es... Jedoch wird sein jüngerer Bruder (Ephraim) größer sein als er (Menasse), und seine Nachkommenschaft wird eine Fülle von Nationen werden“. Interessanterweise ist genau das hebräische Wort melo ha-goijm für Fülle von Nationen wieder im Römerbrief 11, 25 zu finden, als Wort für Vollzahl der Nationen. Ist es hier ein klarer Hinweis für alle „Kinder Josef / Jesu“, d.h. für gläubige Nachfolger / Jünger Jesu aus allen Nationen, dass Gott sie symbolisch wie Ephraim achtet? Darum heißt der Segensspruch, der bis heute den Kindern am Schabbatsegen zugesprochen wird: „...Gott mache dich wie Ephraim und wie Menasse!“

Bevor Jakob nun im Alter von 147 Jahren starb, segnete er seine Söhne. Jeder Stamm erhielt eine Verheißung für die Zukunft. Die Verheißungen standen in direktem und indirektem Zusammenhang mit dem jeweiligen Verhalten des Einzelnen innerhalb der Geschwistergruppe und gegenüber Josef und Jakob. Judah (hebr. Jehuda, wovon Jehudim abgeleitet wird und „Juden“ heisst), der vierte Sohn, erhielt die messianische Verheißung: „...Vor dir werden sich niederbeugen die Söhne deines Vaters“ (49,8-9), „Nicht weicht das Zepter (der Könige) von Judah, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo (Messias) kommt, dem gehört der Gehorsam der Völker“. Denn aus ihm „wird der Sprössling Jesse hervorgehen“ (Jesaja 11,1 + 13; Micha 5,2; Richter 20, 18).

Der Messias Jeschua, der Löwe Juda, wird aus dem Stamme Judah und dem Hause David kommen (Matthäus 1).

So endet die Josef Geschichte mit den Worten: „... Fürchtet euch nicht! Bin ich denn Gott? Ihr habt zwar Böses gegen mich beabsichtigt, Gott aber hatte Gutes beabsichtigt – um damit ein großes Volk am Leben zu erhalten“ – dies waren die Worte Josefs in 50,19-20. Was für eine hoffnungsvolle Verheißung!

- Michael Schneider -

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